Die Kölner U-Bahn

Erste Überlegungen, eine Stadtbahnverbindung von der nördlichen in die südliche Innenstadt Kölns zu schaffen, datieren noch in die 1970er Jahre. 1983 werden dann entsprechende Planungen in das Schienenverkehrskonzept Innenstadt aufgenommen. Es dauert weitere knapp zehn Jahre, bis der Stadtrat am 24. März 1992 das Gesamtverkehrskonzept Köln beschließt. Wiederum vier Jahre später, am 27. Juni 1996, wird über die endgültige Trassenführung und die Bauweise entschieden. Die Verwaltung wurde schließlich vom Rat der Stadt Köln beauftragt, die notwendigen Genehmigungsverfahren einzuleiten und durchzuführen. Seitdem ist viel geschehen. Die Kosten sind explodiert – von ursprünglich avisierten 500 Mio. auf über 1 Mrd. Euro. Und am 3. März 2009 verlor die Stadt in Folge des unsachgemäß durchgeführten und zu wenig kontrollierten U-Bahn-Baus ihr Historisches Archiv. Aber nicht allein der konkrete Bauverlauf, um den sich in den nächsten Jahren vornehmlich die Gerichte kümmern werden, sorgt für Zweifel an den Planungen und Ausführungen der Stadt. Das Bauvorhaben, gegen das seinerzeit allein die Grünen im Stadtrat stimmten und sich dafür wilder Beschimpfungen aus den übrigen Fraktionen ausgesetzt sahen, lässt generelle Zweifel an seiner Sinnhaftigkeit entstehen. Denn um das Severinsviertel in der Südstadt besser zu erreichen ist, wäre eine U-Bahn gar nicht notwendig gewesen. Es gab ja längst eine Verbindung aus der Innenstadt Richtung Süden: die Trasse der ehemaligen Rheinuferbahn, auf der heute noch die Linie 16 aus dem Süden kommend bis zum Ubierring fährt. Ideen, diese Strecke weiterhin zu nutzen und lediglich ab dem Heumarkt einen Tunnel zum Hauptbahnhof zu bauen, wurden verworfen. Hinzu kommt, dass U-Bahnen verkehrspolitisch ohnehin als Auslaufmodelle gelten. Sie sind zu teuer im Bau, können veränderten Verkehrsgewohnheiten kaum angepasst werden und sorgen letztlich auch bloß für wenig Zeitersparnis bei ihren Kunden. Wird doch die raschere Fortbewegung im Untergrund mit langen Anmarschwegen und weit auseinander liegenden U-Bahnhöfen erkauft. Die Kölner Nord-Süd-Bahn soll – optimistisch kalkuliert – den Nutzern eine Zeitersparnis von gerade einmal 8 Minuten auf der gesamten Strecke bringen. Es stellt sich also die Frage, wer eigentlich etwas von dem Bau hat, wer also die Gewinner und wer die Verlierer dieser Form der Stadtverkehrsentwicklung sind.

Developer and Programmer: Marc Wolf