"Eine Zäsur für Köln"

Mut zu Kultur zahlt sich aus

In einer historischen Sitzung am 13. April 2010 hat der Rat der Stadt Köln sich einem Bürgerbegehren der Initiative „Mut zu Kultur“ angeschlossen, für die Sanierung des Kölner Bühnenensembles aus Oper, Schauspielhaus und Opernterrassen gestimmt und damit seine eigene Entscheidung vom 17.12.2009 korrigiert. 

Der Leitartikel des „Kölner Stadtanzeiger“ zu dieser Abstimmung sprach zu Recht von einer „Zäsur für Köln“ und endete mit den Worten: „In der Stadt wurden jahrelang derart viele Entscheidungen mit desaströsen Folgen getroffen, dass die Bürger den Politikern jetzt diese aus der Hand nehmen. Gerade darin besteht die Chance für Köln.“

Zuvor hatte der Rat der Stadt Köln sich am 17.12.2009 mit weit weniger als der Hälfte seiner Stimmen (35 von 90 Ratsmitglieder stimmten für die sog. Variante 2) für den Abriss des Schauspielhauses und der Opernterrassen sowie für einen "abgespeckten Neubau" ausgesprochen - obwohl durch das drastisch reduzierte Raumprogramm die ursprüngliche Begründung für den Neubau hinfällig wurde. Dass mit diesem Beschluss das einzigartige Bühnenensemble des Star-Architekten Wilhelm Riphahn (* 1889 in Köln, † 1963 ebenda) zerstört wird, nehmen die Entscheider dabei in Kauf. Die warnenden Appelle von namhaften Experten und Vertretern, u. a. aus Bereichen der Kunst, Kultur, Architektur, Kirche, Politik, Medien, Lehre & Wissenschaft wurden gänzlich ignoriert.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens schrieben seinerzeit:

"Wir wollen in der jetzt wieder eröffneten Planungsphase eine erneute Diskussion vor dem endgültigen Baubeschluss erzwingen. Schließlich geht es um weit mehr als 'nur' ein Gebäude. Es geht um elementare Fragen:

  • Dürfen wir akzeptieren, dass die Stadt Köln das bedeutende Erbe der 50er-Jahre-Moderne hat verwahrlosen lassen, und nun angeblich nur noch der Abriss bleibt?
  • Dürfen wir zulassen, dass die Stadt Köln sich in ein Kostenabenteuer mit ungewissem Ausgang begibt?
  • Warum sucht der Rat bei einer Entscheidung von solcher Tragweite nicht den Dialog mit den Bürgern dieser Stadt?

Zeigen wir, dass es auch anders geht! Köln kann 2010 Signale setzen für den nachhaltigen Umgang mit dem baulichen Erbe der Stadt und dem Geld der Bürger. Dafür wollen wir streiten, mit dem Rat in Dialog treten und den Ratsmitgliedern Mut für eine Entscheidung machen, mit der Köln sich mit an die Spitze einer Diskussion setzen würde, die alle Städte heute führen müssen."

Fast 55.000 Bürgerinnen und Bürger schlossen sich dieser Meinung an und erwirkten den historischen Ratsbeschluss zur Korrektur der vorigen Fehlentscheidung.

Dass im Sommer 2015 der für November geplante Wiedereröffnungstermin abgesagt werden musste, weil die Zeit- und Kostenplanung aus dem Ruder gelaufen ist, mindert in keiner Weise die Sinnhaftigkeit dieses Engagements. Denn nicht einer der für Außenstehende erkennbaren Gründe für diese Entwicklung wäre bei der zuvor beschlossenen Kombination der Opernsanierung mit Abriss und Neubau des Schauspielhauses vermieden worden. Darauf machen die ehemaligen Initiatoren des Bürgerbegehrens in einer Erklärung vom August 2015 aufmerksam (siehe hier), die im übrigen einen Appell an die Politik richtet, jetzt weder das Projekt schlechtzureden, noch einzelne Sündenböcke in der Verwaltung zu suchen, sondern die strukturellen Probleme zu lösen, die hinter dem Scheitern des Zeit- und Kostenplans sichtbar werden.

Weitere Informationen zum Thema Kölner Bühnen finden Sie hier.

 

 

 

Developer and Programmer: Marc Wolf